Michèle Lemper, MA - Hochschule Niederrhein
(dis)solve me – Hochschule Niederrhein
Textiles Gestalten ist für mich ein Dialog zwischen handwerklicher Tradition und technischer Innovation. Mit meiner Ausbildung zur Maßschneiderin habe ich ein tiefes Verständnis für Material, Verarbeitung und Passform entwickelt, welches ich im Bachelorstudium zur Produktentwicklerin und im Master Textile Produkte Design konsequent vertieft habe. Im Studium habe ich mich intensiv mit Techniken wie Spinnen, Stricken und Lasercutting auseinandergesetzt und daraus eigene Herangehensweisen entwickelt – meine eigene Designsprache, die von präziser Konstruktion und feinen Details geprägt ist. Mit dem Ziel, traditionelle textile Prozesse neu zu denken und weiterzuentwickeln, sehe ich Bekleidung und Textil als ein bewegliches Konzept – als Fläche, Form und Idee, die durch präzises Arbeiten zum Ausdruck kommt. Mein Anspruch ist es, textile Werte weiterzudenken – zeitgemäß, eigenständig, emotional greifbar.
Meine Masterkollektion „(dis)solve me“ beschäftigt sich mit dem Auf-/Lösen textiler Strukturen – technisch, gestalterisch und gesellschaftlich.
Im Zentrum stehen zirkuläre Designstrategien, bei denen das Zerlegen von Textilien nicht das Ende, sondern den Beginn eines neuen Lebenszyklus markiert.
„Dissolve“ steht für die Zerlegung zur Fasergewinnung, „solve“ für das Entwickeln neuer Lösungen im Umgang mit Ressourcen.
Ich zeige, dass Recycling nicht abstrakt sein muss. Design kann Kreisläufe verständlich, greifbar und emotional erfahrbar machen.
Die Kollektion verknüpft präzise Konstruktion mit einem bewussten Materialeinsatz – klassische Handwerkstechniken wie Häkeln treffen auf digitale Zuschnitt-Verfahren.
Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich eigene Verarbeitungstechniken entwickelt:
1. Cut-and-Crochet in Denim: textile Fragmente werden durch digitalen Zuschnitt und Häkeln zu neuen Flächen verbunden und gestaltet – roh, robust, resilient.
2. Non-Stitch-Ruffles in Seidenchiffon: fließende Strukturen entstehen ohne Schnitt oder Naht – allein durch eine Knüpftechnik.
Darüber hinaus nutze ich Papiergarn als bewusstes Gestaltungsmittel – zirkulär und ästhetisch eigenständig.
Ein radikaler technischer Schritt ist die Weiterentwicklung einer Open-Source-Spinnmaschine. Sie ermöglicht es, den Recyclingprozess bis zur Garnherstellung zurückzudenken – als offenes, reproduzierbares Werkzeug für kollaboratives Design.