Agnes Korn, MA

Agnes Korn, MA - Hochschule Niederrhein

Distortion – Hochschule Niederrhein

Als Studentin des Masterstudiengangs Textile Produkte an der Hochschule Niederrhein setze ich mich in meiner Arbeit mit Verletzlichkeit, Wandel und der Tiefe des menschlichen Erlebens auseinander. Gestaltung ist für mich eine Übersetzung innerer Zustände in sichtbare Formen – leise, aber eindringlich. Ich glaube an Kleidung als Sprache, an eine Ästhetik, die berührt. Meine Entwürfe entstehen oft aus Intuition und Gefühl, aus einer flüchtigen Beobachtung, einem unausgesprochenen Impuls. Ich kombiniere traditionelle Techniken wie Handstrick mit digitalen Prozessen wie 3D-Druck, um Kontraste sichtbar zu machen: zart und stark, kontrolliert und amorph. Ich interessiere mich für das Unsichtbare, das Übersehene, das Vergessene. Jede Kollektion ist ein emotionaler und gestalterischer Prozess – roh, verletzlich, persönlich.

Distortion – Die Ästhetik der Verzerrung und die Schönheit der Unvollkommenheit

In einer Welt, die Perfektion anstrebt, offenbart Distortion eine Schönheit der Unvollkommenheit. Emotionen verzerren die menschliche Wahrnehmung – sie brechen, verformen, intensivieren – und eröffnen so eine tiefere, vielschichtige, subjektive Wahrheit. Diese Verzerrung schafft eine besondere Ästhetik, indem sie Verletzlichkeit, Komplexität und Authentizität des menschlichen Daseins enthüllt.

Das Konzept von Distortion basiert auf der Idee, dass Schönheit durch Imperfektion entsteht – durch Fehler, Abdrücke und Spuren der Zeit. In der Umsetzung wird dieser Ansatz durch intuitive Stricktechniken, Weben, Knoten und Drapage sowie 3D-Druck auf zartem Mesh-Material erarbeitet. Muster, die sich auf optische Verzerrungen wie Moiré-Effekte stützen, Netze aus feinen Fäden oder bewusst gesetzte Lücken und Auflösungsprozesse, symbolisieren die Brüchigkeit der Kontrolle und die Verletzlichkeit des Menschen. Der Alterungsprozess von Materialien und Bekleidung wird nicht verborgen, sondern zelebriert.

Distortion fängt die Dualität der menschlichen Erfahrung ein – die Spannung zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit, zwischen Konstruktion und Auflösung. Es ist eine Hommage an die Fehlerästhetik, an die Spuren des Lebens und an die Kraft der Authentizität. Die entstehende Ästhetik zeugt von einer Schönheit, die sich durch Wahrheit, durch Verletzlichkeit und den bewussten Umgang mit dem Imperfekten definiert.